Fernzug steht an einem Bahnsteig in einem europäischen Hauptbahnhof

Städtereise mit der Bahn: Ziele, Preise und Nachtzüge

Kurzantwort: Amsterdam, Brüssel, Paris, Basel, Zürich, Prag, Wien und Kopenhagen erreichst du von deutschen Großstädten aus in vier bis neun Zugstunden. Günstig wird es über den Sparpreis Europa, sobald der Vorverkauf öffnet. Das Deutschlandticket gilt nur im Nahverkehr, nicht im ICE. Für Ziele jenseits von acht Stunden ist der Nachtzug die bessere Rechnung.

Eine Städtereise mit der Bahn hat einen Vorteil, den keine Fluggesellschaft nachbauen kann: Du steigst mitten in der einen Stadt ein und mitten in der anderen wieder aus. Kein Transfer, kein Check-in zwei Stunden vorher, kein Flüssigkeitslimit. Die reine Fahrzeit sieht auf dem Papier länger aus, die Tür-zu-Tür-Zeit fällt oft kürzer aus.

Dieser Text sortiert, welche Ziele sich lohnen, wie die Preise zustande kommen und worauf du bei Reservierung, Gepäck und Verspätung achten solltest.

Welche Städte in einem halben Tag erreichbar sind

Innenraum eines Schlafwagenabteils mit Betten
Im Schlafwagen hat ein Abteil ein bis drei Betten, im Liegewagen vier oder sechs. Foto: Valera N. Trubin, CC BY 4.0

Aus dem Westen Deutschlands liegt Amsterdam am nächsten: Von Köln fährt der ICE International in gut zweieinhalb Stunden, von Frankfurt in rund vier. Brüssel liegt von Köln aus knapp zwei Stunden entfernt, Paris rund dreieinhalb. Wer in Frankfurt startet, ist in etwa vier Stunden in Paris.

Nach Süden geht es ähnlich schnell. Basel erreichst du von Frankfurt in knapp drei Stunden, Zürich in gut vier. Von München aus liegt Salzburg bei anderthalb Stunden, Innsbruck bei knapp zwei, Wien bei rund vier.

Aus Berlin ist Prag mit dem Direktzug in etwa vier Stunden erreichbar, Warschau in gut fünfeinhalb, Kopenhagen mit einem Umstieg in Hamburg in ungefähr sieben. Sieben bis neun Stunden klingen nach viel, sind aber ein Arbeitstag mit Steckdose, Tisch und Aussicht.

Was die Fahrt kostet

Auslandsverbindungen der Deutschen Bahn laufen unter dem Namen Sparpreis Europa. Die Kontingente sind pro Zug begrenzt und werden teurer, je näher der Reisetag rückt. Der Vorverkauf startet je nach Strecke und Partnerbahn einige Monate vorher — wer flexibel ist, setzt sich einen Kalendereintrag auf den Tag der Freischaltung.

Für mehrere Städte in einer Reise rechnet sich oft ein Interrail-Pass. Er gilt eine bestimmte Zahl von Reisetagen innerhalb eines Zeitraums, und für Reisende unter 28 sowie über 60 Jahren gibt es ermäßigte Tarife. In Frankreich, Spanien und Italien fällt für Hochgeschwindigkeitszüge zusätzlich eine Reservierungsgebühr an.

Eine dritte Variante sind Fernbusse als Rückweg. Sie sind langsamer, aber auf Strecken wie Berlin–Prag oder München–Zürich deutlich billiger. Hin mit dem Zug, zurück mit dem Bus ist eine legitime Mischkalkulation.

Das Deutschlandticket und seine Grenze

Seit Januar 2026 kostet das Deutschlandticket 63 Euro im Monat, für Studierende, Auszubildende und Freiwilligendienstleistende 43 Euro. Es gilt bundesweit im Nahverkehr: Regionalbahn, Regionalexpress, S-Bahn, U-Bahn, Tram und Bus.

Im Fernverkehr gilt es nicht. ICE, IC und EC sind ausgeschlossen, ebenso die Flixzüge. Eine Städtereise nach München lässt sich damit trotzdem machen — über Regionalzüge, mit mehreren Umstiegen und deutlich mehr Zeit. Für die Wege innerhalb der Zielstadt ist das Ticket dagegen ein echter Vorteil, weil es dort jedes Nahverkehrsmittel abdeckt.

Nachtzüge: schlafen statt fliegen

Die Österreichischen Bundesbahnen betreiben unter dem Namen Nightjet das größte Nachtzugnetz Europas und verbinden deutsche Städte unter anderem mit Wien, Zürich, Mailand, Rom und Venedig. Daneben fahren private Anbieter, etwa European Sleeper zwischen Brüssel, Amsterdam und Berlin.

Es gibt drei Klassen. Der Sitzwagen ist am billigsten und am unbequemsten. Der Liegewagen hat vier oder sechs Liegen pro Abteil, Bettzeug inklusive. Der Schlafwagen bietet ein bis drei Betten, Waschbecken oder eigene Dusche und Frühstück. Wer schlecht schläft, sollte den Aufpreis für das kleinere Abteil einplanen.

Buche früh. Nachtzüge sind auf beliebten Strecken Wochen im Voraus ausgebucht, weil die Kapazität pro Zug klein ist. Und rechne die Nacht als gesparte Hotelnacht mit, sonst wirkt der Preis unnötig hoch.

Reservierung, Gepäck, Umstieg

Im deutschen Fernverkehr ist die Sitzplatzreservierung freiwillig, in Frankreich, Spanien und Italien dagegen Pflicht. Bei Fahrten mit Umstieg über eine Grenze lohnt sich die Reservierung immer, weil du nach einem verpassten Anschluss sonst mit Koffer im Gang stehst.

Gepäck ist im Zug ein Vorteil: Es gibt keine Gewichtsgrenze und keine Gebühr, du musst dein Gepäck nur selbst tragen und verstauen können. Flüssigkeiten sind kein Thema, ein Fahrrad geht auf vielen Strecken mit Stellplatzreservierung mit.

Plane Umstiege großzügig. Zwölf Minuten reichen in Mannheim, in Paris zwischen Gare de l’Est und Gare de Lyon nicht — dort liegt eine Metrofahrt dazwischen. Bei Verbindungen mit Bahnhofswechsel rechnest du besser eine Stunde ein.

Der Zoll ist die zweite Sache, an die niemand denkt. Zwischen EU-Staaten spielt er keine Rolle, bei Fahrten in die Schweiz dagegen schon: Dort gelten eigene Freimengen, und Kontrollen finden im fahrenden Zug statt. Wer in Basel einen größeren Einkauf im Koffer hat, deklariert ihn besser.

Wenn der Zug zu spät kommt

Für Bahnreisen innerhalb der EU gilt die Fahrgastrechteverordnung. Ab 60 Minuten Verspätung am Ziel steht dir ein Viertel des Fahrpreises zu, ab 120 Minuten die Hälfte. Der Anspruch gilt unabhängig davon, ob die Bahn die Verzögerung verschuldet hat, und wird auf Antrag ausgezahlt.

Wichtig bei Reisen über mehrere Bahnen: Ein durchgehender Fahrschein schützt dich. Kaufst du zwei getrennte Tickets, gilt der verpasste Anschluss als dein Problem. Steht beides auf einem Beleg, muss dich die Bahn weiterbefördern.

Bei Ausfällen am Abend kommt die Übernachtung dazu. Erreichst du dein Ziel wegen einer Störung nicht mehr am selben Tag, muss das Eisenbahnunternehmen für eine Unterkunft und die Fahrt dorthin sorgen. Heb in jedem Fall die Belege auf und lass dir am Serviceschalter die Verspätung bestätigen — ohne diesen Nachweis wird die Erstattung mühsam.

Häufige Fragen

Lohnt sich die 1. Klasse auf Auslandsstrecken?

Auf Strecken über fünf Stunden meistens ja, weil der Aufpreis im Sparpreis oft klein ausfällt und du breitere Sitze, weniger Betrieb und in einigen Zügen Sitzplatzservice bekommst.

Wie klimafreundlich ist die Bahn wirklich?

Das Umweltbundesamt weist den Fernzug in seinem Vergleich der Verkehrsmittel als das klimafreundlichste motorisierte Verkehrsmittel im Personenfernverkehr aus — deutlich vor Pkw und Flugzeug.

Brauche ich im Zug einen Ausweis?

Innerhalb des Schengenraums gibt es keine festen Grenzkontrollen, stichprobenartige Kontrollen sind aber jederzeit möglich. Personalausweis oder Reisepass gehören ins Handgepäck.

Quellen

Geschrieben von Isabel, Redaktion aromohola.de — sie schreibt hier über Reiseziele, Reisezeiten und Unterwegssein.

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