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Duft nach Regen: Petrichor, Geosmin und die Erklärung

Kurzantwort: Der Geruch nach Regen heißt Petrichor. Zwei australische Forschende der CSIRO, Isabel J. Bear und Richard G. Thomas, prägten den Begriff 1964 in der Fachzeitschrift Nature. Beteiligt sind ein Öl, das Pflanzen in Trockenphasen abgeben, sowie Geosmin aus Bodenbakterien. Beim Aufprall der Tropfen entstehen winzige Bläschen, die den Duft als Aerosol in die Luft schleudern.

Die ersten Tropfen fallen auf heißen Asphalt, und plötzlich riecht die ganze Straße anders. Erdig, staubig, ein bisschen süß.

Der Geruch hat einen Namen und eine Erklärung. Sogar mehrere Erklärungen, weil mehrere Stoffe beteiligt sind.

Hier steht, wer den Begriff geprägt hat, welche Stoffe im Spiel sind und warum ausgerechnet Menschen so empfindlich darauf reagieren.

Was Petrichor bedeutet

Das Wort setzt sich aus zwei altgriechischen Bestandteilen zusammen: „pétra“ für Stein oder Fels und „īchṓr“ für das Blut der Götter.

Geprägt haben es Isabel J. Bear und Richard G. Thomas, zwei Forschende der australischen Wissenschaftsorganisation CSIRO. Ihre Arbeit erschien 1964 in Nature.

Gemeint ist der Geruch, den Regen auf trockener Erde erzeugt. Nach einer langen Trockenphase fällt er besonders stark aus.

Eine Quelle ist ein Öl, das Pflanzen in trockenen Zeiten abgeben. Es setzt sich auf Boden und Gestein fest und wird durch Regen wieder gelöst.

Die beiden zeigten 1965 in einer Folgearbeit noch etwas anderes: Dieses Öl verzögert die Keimung von Samen und das frühe Pflanzenwachstum.

Geosmin, der Stoff aus dem Boden

Der zweite Hauptbeteiligte ist Geosmin mit der Summenformel C₁₂H₂₂O. Der Name kommt aus dem Griechischen und heißt sinngemäß Erdgeruch.

Produziert wird der Stoff vor allem von Bakterien der Gattung Streptomyces sowie von Myxobakterien und Cyanobakterien.

Diese Bakterien leben im Boden. Beim Regen wird der Stoff freigesetzt und gelangt in die Luft.

Geosmin ist auch der Grund, warum Rote Bete erdig schmeckt. Nachgewiesen wurde er außerdem in Bohnen, in Wein und in Kakteen.

Im Trinkwasser ist er unerwünscht. Cyanobakterien bilden ihn in Süßwasser, und er lässt sich nur schwer wieder entfernen.

Wie der Duft in die Luft kommt

Der Transportmechanismus war lange unklar. 2015 klärten ihn Forschende am MIT mit Hochgeschwindigkeitsaufnahmen.

Trifft ein Regentropfen auf eine poröse Oberfläche, bilden sich in ihm winzige Bläschen. Sie steigen auf und platzen an der Oberfläche.

Dabei schleudern sie duftende Aerosole in die Luft. Der Wind trägt sie weiter, deshalb riechst du Regen manchmal, bevor er bei dir ankommt.

Auf sehr harten, dichten Flächen funktioniert das schlechter. Poröser Boden und rauer Asphalt geben mehr ab als glatter Beton.

Auch die Intensität des Regens spielt hinein. Leichter Nieselregen erzeugt mehr dieser Bläschen als ein schwerer Platzregen.

Warum es vor dem Gewitter anders riecht

Der scharfe, fast metallische Geruch vor einem Gewitter hat eine andere Ursache. Er kommt von Ozon.

Bei einer Blitzentladung brechen die hohen elektrischen Feldgradienten und Temperaturen die Bindung der Sauerstoffmoleküle auf. Dabei bildet sich Ozon.

Fallwinde transportieren es aus höheren Luftschichten nach unten. Deshalb nimmst du es wahr, bevor der Regen einsetzt.

Die Geruchsschwelle liegt bei 40 Mikrogramm je Kubikmeter. Darunter ist Ozon nicht wahrnehmbar, und man gewöhnt sich schnell daran.

Der Name passt zur Sache. Er stammt vom altgriechischen „ózein“ für riechen, „ózon“ heißt wörtlich „das Riechende“.

Warum Menschen Geosmin so gut riechen

Die menschliche Geruchsschwelle für Geosmin liegt bei etwa 0,1 ppb, also 0,1 Teilen pro Milliarde. Das ist außergewöhnlich niedrig.

Von den über 600 Riechrezeptoren des Menschen spricht nur einer auf physiologisch relevante Geosmin-Konzentrationen an: OR11A1.

Warum diese Empfindlichkeit existiert, ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert wird ein Zusammenhang mit dem Auffinden von Wasser.

Auffällig ist der Kontrast zum Rest des Geruchssinns. Bei den meisten Stoffen brauchst du deutlich höhere Konzentrationen, bis du überhaupt etwas wahrnimmst.

Ob Petrichor die Fortpflanzungszyklen von Kängurus beeinflusst, wird ebenfalls untersucht. Belegt ist das bislang nicht.

Wo dir der Duft sonst begegnet

In der Parfümerie gibt es eine eigene Kategorie dafür. Düfte, die nach Regen, feuchtem Stein oder nasser Erde riechen, laufen unter dem Stichwort Petrichor.

Gearbeitet wird dabei mit synthetischen Molekülen. Geosmin selbst ist so intensiv, dass es nur in kleinsten Mengen einsetzbar ist.

In Indien wird der Duft seit Langem destilliert. Das Ergebnis heißt Mitti Attar: In Kannauj werden Gefäße aus Tonerde gebrannt und anschließend in Sandelholzöl destilliert.

Der Begriff Attar bezeichnet dabei Duftöle ohne Alkohol. Die Basis ist traditionell Sandelholzöl, in das der jeweilige Duft hineindestilliert wird.

Auch beim Wein taucht Geosmin auf, dort allerdings als Fehlton. Ein muffig-erdiger Ton im Glas gilt als Mangel.

Und im Aquarium kennst du es ebenfalls. Der typische Geruch von Teichwasser stammt zu großen Teilen aus derselben Verbindung.

Häufige Fragen

Wie heißt der Geruch nach Regen?

Petrichor. Der Begriff wurde 1964 von Isabel J. Bear und Richard G. Thomas in der Fachzeitschrift Nature geprägt.

Was ist Geosmin?

Eine Verbindung mit der Summenformel C₁₂H₂₂O, die vor allem von Streptomyces-Bakterien sowie Myxo- und Cyanobakterien gebildet wird.

Wie empfindlich riechen Menschen Geosmin?

Die Geruchsschwelle liegt bei etwa 0,1 ppb. Nur einer von über 600 Riechrezeptoren reagiert darauf, der Rezeptor OR11A1.

Warum riecht es vor dem Gewitter so scharf?

Das ist Ozon, das bei Blitzentladungen entsteht und von Fallwinden nach unten transportiert wird. Die Geruchsschwelle liegt bei 40 µg/m³.

Wie gelangt der Duft in die Luft?

Beim Aufprall der Tropfen bilden sich winzige Bläschen, die aufsteigen, platzen und dabei duftende Aerosole freisetzen.

Warum schmeckt Rote Bete erdig?

Wegen Geosmin. Der Stoff wurde außerdem in Bohnen, Wein und Kakteen nachgewiesen.

Quellen

Geschrieben von Lena, Redaktion aromohola.de — sie schreibt hier über Reisen, Düfte und Entspannung.

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