Perfume Bottles

Duft von Regen: Woher Petrichor kommt und was Geosmin ist

Kurzantwort: Der Duft von Regen heißt Petrichor. Er besteht vor allem aus Geosmin, einem Stoff, den Bodenbakterien der Gattung Streptomyces bilden, und aus Pflanzenölen, die sich in Trockenzeiten auf Boden und Gestein sammeln. Regentropfen schlagen beide Stoffe als winzige Bläschen aus dem Boden und tragen sie als Aerosol in die Luft. Deine Nase erkennt Geosmin schon ab 0,1 Teilen pro Milliarde.

Der erste Regen nach Wochen Trockenheit riecht anders als jeder andere. Erdig, ein bisschen süß, manchmal fast metallisch. Viele Menschen mögen diesen Geruch so sehr, dass er als Parfümnote verkauft wird.

Dabei ist der Geruch kein Rätsel. Chemiker haben ihn 1964 benannt, Mikrobiologen haben den wichtigsten Stoff dahinter gefunden, und Ingenieure haben 2015 mit Hochgeschwindigkeitskameras gefilmt, wie er in die Luft kommt.

Hier steht, was genau du riechst, woher die Stoffe kommen und warum der Duft nach langer Trockenheit am stärksten ist.

Petrichor: ein Wort aus dem Jahr 1964

Den Begriff Petrichor haben zwei australische Forscher geprägt. Isabel Joy Bear und Richard G. Thomas arbeiteten bei der Forschungsorganisation CSIRO und veröffentlichten 1964 in der Fachzeitschrift Nature einen Artikel über den Geruch, der entsteht, wenn Regen auf trockenen Boden fällt.

Das Wort setzt sich aus zwei altgriechischen Teilen zusammen. Petra heißt Fels. Ichor ist in der griechischen Mythologie das Blut der Götter. Petrichor bedeutet also ungefähr „Felsenblut“.

Bear und Thomas fanden heraus, dass bestimmte Pflanzen in Trockenperioden ein Öl abgeben. Dieses Öl legt sich auf Tonböden und Gestein und bleibt dort liegen. Erst der Regen löst es wieder ab und bringt es in die Luft. Das war die erste wissenschaftliche Erklärung für den Regengeruch.

Geosmin: der Stoff, den deine Nase kaum verpassen kann

Der zweite und heute bekanntere Bestandteil heißt Geosmin. Der Name kommt ebenfalls aus dem Griechischen und bedeutet „Erdgeruch“. Chemisch ist Geosmin ein bicyclischer tertiärer Alkohol mit der Summenformel C12H22O.

Gebildet wird Geosmin von Mikroorganismen, die vor allem im Boden leben: von Bakterien der Gattung Streptomyces, von Myxobakterien und von Cyanobakterien. Wenn diese Organismen absterben oder Sporen bilden, geben sie Geosmin an ihre Umgebung ab. Bei Trockenheit reichert es sich im Boden an.

Deine Nase reagiert auf diesen Stoff extrem empfindlich. Die Wahrnehmungsschwelle liegt bei 0,1 ppb, also 0,1 Teilen pro Milliarde. Das ist ein Grund, warum der Regengeruch so eindeutig ist, obwohl nur winzige Mengen in der Luft hängen.

Geosmin begegnet dir übrigens nicht nur bei Regen. Der erdige Geschmack von Roter Bete geht auf denselben Stoff zurück. Auch in Bohnen und in manchen Weinen kommt er vor. In Trinkwasser und Süßwasserseen sorgen Cyanobakterien manchmal für einen muffigen Geruch, den viele als „nach Erde“ beschreiben.

Wie der Regen den Duft in die Luft bringt

Lange war unklar, wie Geosmin und Pflanzenöle vom Boden in deine Nase gelangen. Beide Stoffe haften am Boden und verdunsten kaum. Die Antwort lieferten im Januar 2015 zwei Forscher am Massachusetts Institute of Technology, Cullen R. Buie und Youngsoo Joung.

Sie filmten mit Hochgeschwindigkeitskameras, was passiert, wenn ein Tropfen auf poröse Oberflächen fällt. Rund 600 Versuche auf 28 Materialien, darunter 16 Bodenproben, zeigten dasselbe Muster. Der Tropfen schließt beim Aufprall winzige Luftbläschen ein. Diese Bläschen steigen durch den Tropfen nach oben, platzen an der Oberfläche und schleudern feinste Tröpfchen in die Luft.

Diese Aerosole tragen mit, was im Boden steckt: Geruchsstoffe, aber auch Bakterien und Viren. Die Studie erschien in der Zeitschrift Nature Communications.

Ein Detail erklärt eine Alltagsbeobachtung. Die meisten Aerosole entstehen bei leichtem bis mäßigem Regen. Bei starkem Regen bilden sich deutlich weniger Bläschen. Deshalb riecht ein Nieselschauer nach Trockenheit oft intensiver als ein Wolkenbruch.

Warum der Duft nach langer Trockenheit am stärksten ist

Zwei Effekte kommen zusammen. Erstens sammeln sich Geosmin und Pflanzenöle über Wochen im trockenen Boden an, weil kein Wasser sie abtransportiert. Zweitens ist trockener Boden porös und voller Luft, was die Bläschenbildung beim Tropfenaufprall begünstigt.

Nach dem ersten Schauer ist ein Teil des Vorrats abgetragen. Der zweite Regentag riecht deshalb meist schwächer, selbst wenn es genauso stark regnet.

Auch der Untergrund spielt eine Rolle. Bear und Thomas beschrieben den Effekt für Tonböden und Gestein. Auf Asphalt und Beton entstehen ebenfalls Aerosole, dort riecht es aber eher nach dem, was auf der Straße liegt: Staub, Reifenabrieb, Öl.

Ozon: der Geruch vor dem Gewitter

Manche Menschen riechen ein Gewitter, bevor der erste Tropfen fällt. Dieser Geruch ist ein anderer als Petrichor. Er ist scharf, leicht stechend und erinnert an Chlor.

Dahinter steckt Ozon, ein Molekül aus drei Sauerstoffatomen. Elektrische Entladungen in der Gewitterwolke spalten Sauerstoffmoleküle in der Luft, und aus den Bruchstücken bildet sich Ozon. Der Abwind vor der Gewitterfront kann das Gas bis zum Boden drücken.

Petrichor und Ozongeruch treten also oft kurz nacheinander auf, haben aber verschiedene Ursachen. Das eine kommt aus dem Boden, das andere aus der Wolke.

Regenduft in der Flasche

Parfümeure arbeiten seit Jahrzehnten mit dem Regenmotiv. Geosmin lässt sich synthetisch herstellen und wird in winzigen Dosen eingesetzt, weil es schon in Spuren erdig und feucht wirkt. Dazu kommen meist grüne, wässrige und mineralische Noten.

Ein echtes Abbild des Regens ist das nicht. Der natürliche Duft besteht aus Hunderten Stoffen, die je nach Boden, Pflanzen und Jahreszeit anders zusammengesetzt sind. Ein Sommerregen auf einer Wiese riecht anders als Herbstregen im Kiefernwald. Ein Parfüm kann davon nur einen Ausschnitt abbilden.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Petrichor und Geosmin?

Petrichor ist der Name für den gesamten Regengeruch. Geosmin ist einer seiner Bestandteile, der erdige. Dazu kommen Pflanzenöle und je nach Ort weitere Stoffe.

Warum riecht Regen in der Stadt anders als auf dem Land?

Auf dem Land dominieren Geosmin aus dem Boden und Pflanzenöle. In der Stadt schlagen die Tropfen auf Asphalt, Staub und Abrieb. Der Geruch enthält dann weniger Erdnoten und mehr Straßenstaub.

Riechen alle Menschen Geosmin gleich gut?

Die Schwelle von 0,1 ppb ist ein Mittelwert. Wie bei allen Geruchsstoffen gibt es individuelle Unterschiede, dazu ist die Wahrnehmung bei Erkältung oder im Alter schwächer.

Ist der Regengeruch gesund oder schädlich?

Belege für eine Wirkung auf die Gesundheit gibt es nicht. Die MIT-Studie zeigt allerdings, dass Regenaerosole neben Geruchsstoffen auch Bodenbakterien transportieren können. Für gesunde Menschen ist das im Alltag ohne Bedeutung.

Warum schmeckt Rote Bete nach Erde?

Weil sie Geosmin enthält. Derselbe Stoff, der den Regengeruch prägt, sorgt in der Knolle für den erdigen Geschmack.

Kann ich den Regengeruch zu Hause erzeugen?

Ein Blumenkasten mit trockener Gartenerde, den du mit einer Gießkanne leicht beregnest, gibt den Duft für einige Minuten frei. Am stärksten wirkt es mit gewachsenem Gartenboden nach einigen trockenen Tagen.

Quellen

Geschrieben von Lena, Redaktion aromohola.de — sie schreibt hier über Reisen, Düfte und Entspannung.


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